09.12.2017

Die artgerechte Ernährung der Katze

 

Das Thema „artgerechte Ernährung der Katze“ wurde und wird heiß diskutiert. Dabei ist es doch ganz einfach. Orientiert man sich an den Ursprüngen unserer Samtpfoten, ergibt sich die Antwort auf die Frage, was ist richtig, was ist falsch? ganz von selbst.

Katzen sind Carnivoren (Fleischfresser), und entsprechend sollten sie auch ernährt werden. Der Anteil an pflanzlichen Faserstoffen sollte bei ca. 8% liegen, das entspricht dem Mageninhalt einer Maus. Alles an Getreide darüber hinaus ist zu viel und macht unsere Katzen mittel- bis langfristig krank. Der Magen-Darmtrakt der Katze ist nicht auf die Verdauung von großen Mengen an Getreide vorbereitet und kann sie nicht verwerten. Sie belasten die Verdauung, gaukeln für kurze Zeit ein Sättigungsgefühl vor und kommen in Form von großen, äußerst übelriechenden Würstchen am anderen Ende der Mieze wieder zum Vorschein. 

Mein Freund, die Tierfuttermittelindustrie

Die Tierfuttermittelindustrie hat uns fest im Griff. 80 – 90% aller Katzen werden mit Fertigfutter aus der Dose bzw. Trockenfutter ernährt. Es ist zugegebenermaßen ja auch sehr praktisch und zeitsparend. Gelegentlich gefüttert ist es auch kein Problem. Es ist mit dem Besuch eines Fast Food Restaurants zu vergleichen: Einmal im Monat Mac Donald macht uns nicht krank, aber jeden Tag Mac Donald?ivanhoe.jpg

Die Futtermittelhersteller wie Waltham, Mars und Co. sind Unternehmen mit Milliardenumsätzen und in erster Linie profitorientiert. Das Wohl unserer Tiere ist da eher nebensächlich, Hauptsache die Kasse klingelt. Diese Firmen haben einen unerschöpflichen Werbeetat und schaffen es damit tatsächlich, ein Produkt wie „Whiskas“ erfolgreich zu vermarkten.

Werfen wir einen Blick auf die Zusammensetzung von einem typischen Futter in Supermarktqualität::

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. 4% Ente), Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe, pflanzliche Proteinextrakte.

Das bedeutet in der Übersetzung:

4% Fleisch und Schlachtabfälle von der Ente, der Rest Schlachtabfälle von was auch immer gerade günstig eingekauft wurde. Billiges Getreide, je nachdem, was der Markt gerade günstig hergibt, und Abfall aus der Getreideindustrie. Mineralstoffe müssen entsprechend hoch dazu dosiert werden, weil die Inhaltsstoffe durch die Bank minderwertig sind. Und zum Schluss noch eine Portion Soja, gerne genverändert.

Wer jetzt argumentiert, ich füttere aber hochwertig, meine Katzen bekommen „Royal Canin“ oder vergleichbares, für diejenigen hier die Übersetzung eines hochpreisigen Futters:

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (Huhn und Schwein), Fisch und Fischnebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Eiweißextrakte, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe, Zucker (max. 0,5%).

Übersetzt:

Fleisch und Schlachtabfälle von Huhn und Schwein?!, Irgendein Fisch und deren Abfälle, irgendein Getreide, Soja, auch genverändert, Getreideabfälle, Mineralstoffe aus schon beschriebenen Gründen, und Zucker!! Zucker hat ganz sicher nichts in einem Katzenfutter zu suchen.

Und nun betrachten wir zwei unterschiedliche Trockenfutter, einmal niedrigpreisig, einmal hochpreisig:

 

Supermarkt:

Getreide, Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. 4% Huhn in den hellbraunen Stückchen, 4% Leber in der fleischigen Füllung der Knackits), Öle und Fette (0.25% Fischöl, 0.1% Sonnenblumenöl), pflanzliche Eiweißextrakte, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe (u.a. 0.2% Natrium Tripolyphosphat), Gemüse (4% Karotten in den orangen Stückchen, 4% Erbsen in den grünen Stückchen).

Die Übersetzung:

Hauptbestandteil ist irgendein Getreide. Ein wenig Fleisch, davon 4% garantiert vom Huhn und 4% irgendeine Leber. Öle und Fette, zum größten Teil minderwertige Qualität aber immerhin 0,25% Fischöl und 0,1% Sonnenblumenöl, whow! Dann das obligatorische Soja, Getreideabfälle und ein Hauch von Gemüse.

Mit dem hohen Anteil an Getreide im Futter könnte problemlos ein Kaninchen ernährt werden.

 

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Teuer aus dem Tierfutterhandel:

Reis, Geflügelprotein (getrocknet), Tierfett, Mais, Maiskleberfutter, Pflanzenproteinisolat*, getrocknetes Schweinefleisch*, tierisches Eiweiß (hydrolysiert), Hefen, Rübentrockenschnitzel, Mineralstoffe, Sojaöl, Fischöl, Lignozellulose, Fructo-Oligosaccharide.

Die Übersetzung:

Hauptbestandteil ist Reis. Geflügelprotein ist eine Mischung von Geflügelschlachtnebenprodukten wie Federn, Klauen und Schnäbel. Tierfett, nicht näher deklariert kann von jedem Tier stammen. Mais, noch mehr Getreide…  Maiskleberfutter ist ein Nebenerzeugnis der Maisstärkegewinnung und  besteht aus Kleie und Kleber. Es enthält viel Protein, das für die Katze schwer verwertbar ist. Pflanzenproteinisolat ist…  mal wieder Getreide. Noch etwas Schweinefleisch. Nicht genauer definiertes tierisches Eiweiß. Rübentrockenschnitzel sollten Pferden und Kühen vorbehalten sein. Mineralstoffe, um die vorhandenen Mankos der minderwertigen Inhaltsstoffe auszugleichen. Sojaöl, minderwertige Proteinquelle, Fischöl, endlich mal etwas Vernünftiges. Lignozellulose ist die nette Umschreibung für Holzzellulose. Zum Schluss die Fructo-Oligosaccharide. Die sind notwendig, damit die Katze diesen ganzen Müll verdauungstechnisch übersteht. In einem guten Futter sind sie nicht notwendig.

Es geht auch anders. Hier ein Beispiel für ein gutes Trockenfutter:

Zusammensetzung: Getrocknetes Hühnerfleisch, Frisches Hühnerfleisch, Hühnerfett, Luzerne, Vitamin-Mineralvormischung, Prebiotika, Leinsamen, Hühnerleber, Lachsöl, Meeresalgen, Cranberries, Meersalz. (Natural Cat von Cat’s Country)

Wer noch mehr zum Thema Tierfutteretiketten lesen möchte, wird hier fündig.

Generell gilt jedoch, egal wie hochwertig ein Fertigfutter auch sein mag, rohes Fleisch ist dem immer vorzuziehen.

Und damit kommen wir zum Kern des Ganzen: Wie ernähre ich denn nun meine Katze artgerecht?

Die Antwort lautet, wie schon angedeutet: mit rohem Fleisch!

In der Natur frisst die Katze Mäuse, Insekten, kleine Vögel, mal ein kleines Kaninchen usw. Und die Katze brät ihre Nahrung vor dem Verzehr nicht über einem Lagerfeuer!

Orientieren wir uns an dem natürlichen Speiseplan der Katze, ergibt sich für uns ein Fütterungskonzept: Hühnchenfleisch, Putenfleisch, Kaninchen, Hase, Eintagsküken, Hühnerherzen, Putenherzen, ab und zu Hühnerleber, Hühnerflügel, ganze Hühnchen mit Innereien gewolft, usw. Da ich bisher noch keine (Haus-) Katze ein Rind habe erlegen sehen, verzichte ich weitestgehend auf Rindfleisch, eine Ausnahme ist gelegentlich etwas Rinderherz.

Bei reiner Rohfleischfütterung ist eine Sublimentierung verschiedener Mineralien, wie zum Beispiel Calcium notwendig, sonst würde die Katze auf Dauer Mangelerscheinungen entwickeln. Es gibt inzwischen ein erfreulich großes Sortiment an Barfzusätzen, die die Sublimentierung einfach gestalten.

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Umstellung von Dosen- und Trockenfutter auf Rohfütterung:

Oft tun sich die Katzen schwer, sich vom Dosenfutter und/oder Trockenfutter auf rohes Fleisch umzustellen. Was der Bauer nicht kennt, frisst er auch nicht... Hier ein Tip, wie es oftmals gut klappt:

Miamor Multi-Vitamin-Cream mit einigen Bröckchen rohem Fleisch mischen. Wahlweise können Sie auch Thunfisch oder Katzenleberwurst nehmen. Es sollte etwas sein, dem Ihre Katze nicht widerstehen kann. Bei jeder Mahlzeit den Anteil an Fleisch leicht erhöhen. Sobald sich die Katze an den Geschmack von rohem Fleisch gewöhnt hat, können Sie sich langsam aus der Zugabe herausschleichen. Am besten funktioniert es mit fein gewolften Fleisch, das lässt sich nur schwer ablutschen!

Die Kompromisslösung:

Bei einer so großen Katzengruppe, wie der meinen, ist die reine Rohfütterung nur schwer umzusetzen. Darum gibt es hier den Kompromiss,  hochwertiges, getreidefreies Trockenfutter in Kombination mit Fleisch und Küken.  Vormittags gibt es Küken, über den Tag können meine Katzen bei Bedarf an dem Trockenfutter knabbern, und am frühen Abend wird rohes Fleisch gefüttert. So sind zusätzliche Sublimente nicht notwendig. Hardcore-Rohfütterer werden diese Kombination ablehnen, ich betrachte es als durchaus legitim.

Bezugsquelle für Rohfleisch kann der Metzger sein, oder die Frischetheke im Supermarkt. Eine weitere Bezugsquelle sind Anbieter in Internet, die rohes Fleisch tiefgefroren und portioniert anbieten. Dort ist die Auswahl verschiedener Fleischsorten in der Regel wesentlich größer.

Wir steuern über die Ernährung die Gesundheit unserer Tiere. Auch wenn die Rohfütterung etwas aufwendiger ist, als mal schnell eine Dose zu öffnen, das Wohlbefinden unserer Tiere ist es allemal wert!

 

Hersteller bzw. Lieferanten, getestet und für gut befunden:

Rohfleisch: das Tierhotel, www.das-tierhotel.de

Wenn Trockenfutter, dann: Natural Cat, Activ Cat von Cat‘s Country, www.cats-country.de

Eintagsküken: Die Futter Fundgrube, www.futter-fundgrube.de

 Mein Reserve-Dosenfutter ist die Hausmarke von Zooplus, Cosma Thai



© Antonia Zugna-Bley